Dr. Kiki Didigu, beim Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zuständig für strategische Partnerschaften, stellte fest, dass das Thema des Symposiums „Glaube trifft auf globale Werte – Krise und Versprechen des Multilateralismus“ aktueller nicht sein könne, da der Multilateralismus immer stärker unter Druck gerate und einem zunehmenden Stresstest ausgesetzt sei.
„Diese Dynamiken sind nicht abstrakt“, sagte Didigu, die die Eröffnungssitzung als Co-Moderatorin leitete. „Sie haben konkrete Auswirkungen auf real existierende Menschen und Gemeinschaften.“ Aus dem Glauben handelnde Organisationen und religiöse Akteure stehen hier nicht am Rand, sondern sind ein unmittelbarer Teil dieser dynamischen Prozesse.“
Prof. Dr. Azza Karam, Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation Lead Integrity und ehemalige Generalsekretärin von Religions for Peace, merkte an, dass die Krise des Multilateralismus nicht nur die Politik betreffe, sondern auch religiöse Institutionen. „Ich glaube, dass wir es in der heutigen Zeit nicht als selbstverständlich ansehen sollten, dass wir zusammenarbeiten“, sagte sie. „Die Vereinten Nationen haben zu verschiedenen Themen sehr eindeutig Stellung bezogen.“
Im Vergleich dazu ist eine ebenso eindeutige und einhellige Positionierung religiöser Institutionen nicht erkennbar. „Kriege werden durch religiöse Narrative gerechtfertigt“, sagte Karam. „Der Multilateralismus hat politisch keinerlei Mehrwert, wenn die religiösen Organisationen so weitermachen wie bisher.““
Dr. Adam Lupel, Exekutivdirektor der Coalition for the UN We Need, sprach über das „A und O“ der Reform der Vereinten Nationen.
Der erste Punkt ist die Finanzierung. „Ich denke, wir alle täten gut daran, diesen Moment zu nutzen, um verstärkt auf Zusammenarbeit zu setzen und uns vor Augen zu führen, dass uns mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, wenn wir alle an einem Strang ziehen“, sagte er. Der zweite Aspekt der Reform, auf den Lupel einging, ist die Tatsache, dass die Ausweitung von Konflikten und die daraus entstehende konkrete Gefährdung der Zivilbevölkerung bedeuten, dass die UN ihre vorrangige Aufgabe der Konfliktprävention nicht erfüllt.
„Es besteht ein starker Wunsch nach einem revitalisierten System, das repräsentativer und inklusiver ist“, sagte er. „Wir müssen uns alle persönlich fragen, wie wir Vertrauen wiederherstellen können.“
Eine Zusammenarbeit, die nicht auf Ehrlichkeit und Vertrauen beruhe, so Karam, könne den Menschenrechten schaden.
„Menschenrechte für alle und zu jeder Zeit. Keine Ausnahmen“, sagte sie. „Die aktuelle Entwicklung deutet nicht auf diese Zusammenarbeit hin.“
Lupel betonte, dass die Zivilgesellschaft dann etwas bewirken könne, wenn sie als Teil der Gemeinschaft miteinbezogen werde. „Es gibt eindeutige wissenschaftliche Belege dafür, wie wichtig die Mitwirkung von Frauen an Friedensprozessen ist“, sagte er. „Das bedeutet, dass die Erfolgsaussichten dann größer sind und es eine bessere Chance für ein Abkommen gibt. Das liegt nicht nur daran, dass Frauen mit am Verhandlungstisch sitzen, sondern dass Frauen fest in der Zivilbevölkerung vernetzt sind.“
Auf drei Podiumsdiskussionen ging es um die Krise des Multilateralismus; wie die Vereinten Nationen nach 80 Jahren auf den sich verändernden Kontext reagieren; und um die aus dem Glauben schöpfende Sorge um die Menschen und den Planeten.
Peter Prove, Direktor der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten beim Ökumenischen Rat der Kirchen und Co-Moderator des Symposiums, sprach das Schlusswort auf der Veranstaltung und mahnte nachdrücklich die Fortführung dieser tiefgehenden Gespräche an – so wichtig auch unsere Thematisierung der Krise des multilateralen zwischenstaatlichen Systems ist, so wichtig ist dieses Thema auch innerhalb der religiösen Institutionen.
„Wir können das System nicht ins Gebet nehmen, wenn wir nicht selbst diese Zusammenarbeit, diese Einheit und dieses Engagement vorleben“, sagte er. „Wir nutzen unsere demographische Macht nicht. Die Hunderte Millionen, ja sogar Milliarden von Menschen in unseren Mitgliedskirchen haben echte politische Macht. Wir müssen konkreter darüber nachdenken, wie wir diese demographische Macht und unsere moralische Botschaft mobilisieren können.“
Als Co-Sponsoren dieses Symposiums 2026 waren beteiligt der Ökumenische Rat der Kirchen, die ACT Alliance, die Buddhist Tzu Chi Foundation, der Ausschuss für Kirche und Gesellschaft der Vereinigten Methodistischen Kirche, die International Academy for Multicultural Cooperation, Islamic Relief USA, das Milstein Center für den interreligiösen Dialog – Jewish Theological Seminary, Soka Gakkai International, der Lutherische Weltbund und die United Religions Initiative in Zusammenarbeit mit der Interinstitutionellen Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für Religion und nachhaltige Entwicklung und ihrem Multireligiösen Beirat.
Die Aufzeichnungen des Symposiums ansehen
Mehr über das Ökumenische Büro der Vereinten Nationen (ÖBVN) erfahren