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Das internationale Kolloquium war vom Wittenberg Center for Advanced Studies, der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rats der Kirchen, dem Ökumenischen Institut in Bossey und der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) organisiert worden. Im Rahmen des Kolloquiums hatte Canon theol. Pastor Dr. Carlton Turner ein Hauptreferat zum Thema „Decolonisation and the Inner Journey of the Church: A Caribbean Observation“ (Dekolonisierung und der Selbstfindungsprozess der Kirche – Gedanken aus karibischer Sicht) gehalten. 

Was ist Ihnen von dem Kolloquium besonders in Erinnerung geblieben?

Dr. Turner: Dass eine intensive Auseinandersetzung mit der Frage stattfindet, was Dekolonisierung tatsächlich bedeutet, und ich begrüße sehr, dass diese Arbeit weiterhin vorangetrieben wird.

Was ist notwendig, damit der Austausch über Dekolonisierung wirklich ökumenischen ist?

Dr. Turner: Um einen wirklich ökumenischen Austausch haben zu können, müssen wir zunächst ausreichend Gespräche intern in den Konfessionen oder Glaubensströmungen führen, denke ich. Denn wenn wir dazu nicht bereit sind, werden unsere ökumenischen Gespräche nicht ausreichend in die Tiefe gehen können. Aber genau das machen wir in meinen Augen ja hier – wir formulieren Gedanken und Herausforderungen, damit zum Beispiel Europa einen Kontext wie den karibischen, dessen Geschichte zwar mit der eigenen irgendwie verbunden, aber dennoch sehr anders ist, besser verstehen lernt. Wenn wir nicht verstehen, was genau passiert und was konkret die Herausforderungen sind, können wir in unserer Auseinandersetzung mit den Vorstellungen und Gedanken nach meinem Verständnis nicht so sehr in die Tiefe gehen, wie es eigentlich möglich wäre.

Hoffen Sie auf Veränderungen?

Dr. Turner: Ich würde sagen: Weil ich mich in diesen Kreisen bewege, lerne ich genauso viel wie ich anderen vielleicht nahebringen kann. Außerdem weiß ich, glaube ich, wo ich herkomme und mit welchen Herausforderungen wir konfrontiert sind. Ich bin in einer konkreten Lebenswirklichkeit bzw. einem kulturellen Kontext verwurzelt oder versuche es wenigstens, und konzentriere mich bei meiner Arbeit hier im Vereinigten Königreich daher auf Gerechtigkeit für rassistisch Diskriminierte. Ich beschäftige mich aber immer mit Dingen, über die man gründlich nachdenken muss.

Ich wünsche mir einfach, dass diese großartige Arbeit fortgeführt und in die ganze Welt getragen wird, damit die Menschen die Botschaft hören und von den Diskussionen erfahren, sich der Verbindungen mit Nizäa 2025 bewusst und sich klar werden, dass diese Diskussionen beeinflussen, wie wir unsere Geistlichen ausbilden, wie wir Theologie betreiben und wie wir theologische Forschung vorantreiben. Das ist meine Hoffnung, und durch meine Begegnungen mit anderen Menschen wie hier kann ich diesen Prozess unterstützen.

Inwiefern nützt das der nächsten Generation von Theologinnen und Theologen?

Dr. Turner: Wir tun dies, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Ich möchte sicherstellen, dass wir zukunftsorientiert und langfristig denken und in die Tiefe gehen. Wir müssen herausarbeiten, wo und inwiefern genau unsere Theologien problematisch, schwierig, zu komplex sind, und der nächsten Generationen die Werkzeuge an die Hand geben, um eine Lösung für all diesen unaufgearbeiteten Ballast zu finden. Wir sind nicht unschuldig und dürfen uns nicht auf einen neutralen Standpunkt zurückziehen. Ich persönlich wähle einen Ansatz, der sich auf meinen inneren Entwicklungsprozess konzentriert, denn nur so können wir uns aus dem Wirrwarr all dieser Dinge herausarbeiten. Nur indem wir nach innen schauen und uns mit uns selbst auseinandersetzen, können wir unsere Probleme bewältigen. Den jüngeren Generationen können die notwendigen Werkzeuge an die Hand gegeben werden, und eines der wichtigsten Instrumente hierfür ist ein Dekolonisierungsansatz, der Grundannahmen und grundlegende Denkmuster hinterfragen, infrage stellen und neu denken soll. 

Internationales Kolloquium ermöglicht dekolonisierten Blick auf Theologie (ÖRK-Pressemitteilung in englischer Sprache, 26. Juni 2026)