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Janet Anstead
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Was sind die wichtigsten Themen, die Ihnen auf dem Pilgerweg-Treffen in den letzten Tagen begegnet sind?

Pastorin Anstead: Es war für mich ein Privileg, den Mitgliedern des Ökumenischen Rates der Kirchen aus aller Welt einige der vor allem im kanadischen Kontext wichtigen Themen nahebringen zu können. Gerade wir können natürlich unsere ganz eigene Sichtweise auf die anhaltenden Versöhnungsinitiativen mit unseren indigenen Mitgliedsgemeinschaften beisteuern. Was mich während dieser letzten Tage wirklich beschäftigt hat, ist die Erkenntnis, dass viele der Probleme, mit denen wir uns hier in Kanada schon so lange auseinandersetzen, in anderen Teilen der Welt unbekannt sind. Es ist wichtig, dass wir Gelegenheiten wie diese nutzen, um uns über Gemeinsamkeiten mit anderen Ländern in der Welt auszutauschen und diese auch zu finden. Auch in anderen Ländern haben indigene Völker oder marginalisierte Bevölkerungsgruppen ihre Kämpfe ausgefochten und versuchen, ihre Traumata zu heilen und die Komplizenschaft entweder der herrschenden gesellschaftlichen Gruppe oder der Regierung und der Kirchen als Täter aufzuarbeiten. Das sind Themen, denen sich nicht nur das kanadische Volk stellen muss.

Gibt es in den Mitgliedskirchen des Kanadischen Kirchenrats Einigkeit hinsichtlich der geistlichen Auseinandersetzung mit Fragen der Wahrheit, der Versöhnung und des Traumas?

Pastorin Anstead: Ich bin davon überzeugt, dass diese laufenden Versöhnungsinitiativen allgemein als Verpflichtung gesehen werden. Allerdings befinden sich einige der Mitgliedskirchen aufgrund des historischen Kontextes in einer anderen Situation; das gilt besonders für diejenigen, die Internatsschulen geleitet haben. 

Allerdings, was die allgemeine Akzeptanz angeht – ja, wir müssen vorangehen und mit unserer gemeinsamen Stimme und unserer gemeinsamen Initiative handeln. Unterschiede ergeben sich daraus, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen. 

Welche Vorstellungen haben Sie über die zukünftige Position den Kanadischen Kirchenrates innerhalb der weltweiten ökumenischen Bewegung?

Pastorin Anstead: Ich glaube, das ist etwas, was ich in den letzten Tagen hier bei unserer Arbeit immer wieder gehört habe. Es gibt die Erkenntnis, dass die ökumenische Bewegung nicht nur eine Bewegung auf Führungsebene sein kann.  Wir müssen wirklich die Menschen ansprechen, die auf unseren Kirchenbänken sitzen. Wir müssen konkrete Ergebnisse vorweisen können, damit wir unser Leben nicht nur auf der Leitungsebene verändern, sondern ebenfalls an der Basis der Gemeinden.

Mein Ziel ist es, mit meiner 20-jährigen Erfahrung als Führungsverantwortliche in meiner Gemeinde und als Seelsorgerin Werkzeuge zu finden, die im Kontext einer Gemeinde, eines Kirchenbezirks oder einer sonstigen Gruppe verwendet werden können. 

Welche Ziele verbinden Sie als Generalsekretärin des Kanadischen Kirchenrates mit Ihrem Pilgerweg?

Pastorin Anstead: Ich denke, eines der wirkmächtigsten Bilder, über die wir im Zusammenhang mit dem Pilgerweg gesprochen haben, ist zum Beispiel der Wampum-Gürtel, der zwei parallel verlaufende Linien haben kann. Das bedeutet, dass es keine Zwangsgemeinschaft gibt, sondern dass jeder für sich seinen Lebensweg in gegenseitigem Respekt, in Freundschaft und Gerechtigkeit geht. 

Auf dem Pilgerweg geht es darum, dass wir uns selbst persönlich verändern. Es geht nicht darum zu versuchen, Unterschiede zu nivellieren oder zu beseitigen. Es geht vielmehr darum, diese Unterschiedlichkeiten zu leben, sie zu verinnerlichen und die Tiefe anzuerkennen, die Vielfalt jedem Kontext verleiht. 

Sie waren auf der 11. ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe, Deutschland. Welchen Eindruck haben Sie heute, vier Jahre danach, vom ÖRK?

Pastorin Anstead: Ich würde es definitiv begrüßen, wenn sich die Beziehungen zwischen dem Kanadischen Kirchenrat und dem ÖRK weiter vertiefen, damit wir mehr gemeinsam bewirken können und wir weitere Gelegenheiten wie diese erhalten, um uns gegenseitig etwas über unsere besonderen Kontexte zu vermitteln. Ich wünsche mir ebenfalls engere Beziehungen zu den anderen Regionalräten, die an den ÖRK angeschlossen sind. Für mich geht es in erster Linie um den Aufbau von Beziehungen: Zunächst müssen wir sie stärken, und dann können wir sie dazu nutzen, damit wir gemeinsam die ökumenische Bewegung verbessern, fördern und befähigen können.

Kanadischer Kirchenrat

ÖRK-Referenzgruppe tagt in Vancouver: Pilgerweg der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit erneut im Fokus (ÖRK-Pressemitteilung vom 18 September 2026)