Das Webinar – unter der Moderation von ÖRK-Referent George Sahhar in Jerusalem – markiert den Auftakt der neuen Kampagne „From Condemnation to Consequences“ (übersetzt: „Von der Verurteilung zur Konsequenz“). Die Kampagne beschreibt die eskalierende Krise in den besetzten Palästinensischen Gebieten sowie die eindeutigen, aber unerfüllten rechtlichen Verpflichtungen der internationalen Gemeinschaft, konkrete, rechtlich verankerte Konsequenzen für Israels anhaltende Verstöße gegen das Völkerrecht einzufordern. 

Pastor Dr. Kenneth Mtata, ÖRK-Programmdirektor für Leben, Gerechtigkeit und Frieden, eröffnete das Webinar mit der Anmerkung, dass der ÖRK die Kampagne in einem Kontext konzipierte, der sich mit der aktuellen Lage nach den Ereignissen in den vergangenen 72 Stunden nicht vergleichen lasse, und dass die Menschen nun an einem kritischen Punkt der Eskalation im Nahen Osten stünden.

„Doch der Fokus unserer Kampagne muss auf den gemeinsam durch die Kirchen und ihre Partnerorganisationen gefassten Zielen bleiben, um einen Weg zu finden, die Erklärungen und Verurteilungen der Besetzung und Annexion Palästinas in konkrete Veränderungen und Umstellungen zu übersetzen“, sagte Mtata. 

Dr. Yudith Oppenheimer, Direktorin der Organisation Ir Amim, wies darauf hin, dass sich die Lage in Jerusalem und Umgebung in den vergangenen zwei Jahren, während der Krieg in Gaza und der aktuelle Krieg alle Aufmerksamkeit auf sich ziehe, rapide verändert habe. 

Sie ging auf die Ausbreitung der Siedlungen in Ost-Jerusalem, der drastischen Zunahme der Zwangsräumungen und Abrisse von Häusern, die Schritte in Richtung eines kompletten Zusammenbruchs des aktuellen Status quo sowie auf weitere schwere Verstöße gegen die Menschenrechte und das Völkerrecht ein.

„Die Summe dieser Handlungen bedrohen nicht nur die Zukunft Jerusalems, sondern auch die allgemeinen Aussichten auf Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit für beide Völker“, sagte sie und erwähnte die laufenden Pläne für neun neue Siedlungen mit über 20 000 Wohnungen in Ost-Jerusalem, deren Entwicklung seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Gange ist. Viele dieser Pläne sind für Gebiete im Herzen palästinensischer Wohngebiete vorgesehen.

Hana Kirreh, Mitglied der internationalen Referenzgruppe des Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel, stellte die Aussagen von Mayada Tarazi, Leiterin des operativen Geschäfts, der Personalabteilung und der Abteilung für Internationale Beziehungen des YWCA, vor. 

„Immer wieder werden Familien vertrieben“, bemerkte Tarazi und betonte, dass besonders Frauen und Kinder unter der turbulenten Situation zu leiden hätten. „Vielen fehlt noch immer ein Dach über dem Kopf und Zugang zu Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung und Schutz“, sagte sie. „Die Frauen sagen, sie würden zurechtkommen oder überleben. Doch das, was passiert, ist weder normal noch akzeptabel, und viel zu oft wirkt es so, als würde niemand genug dagegen unternehmen.“

John Wardlaw, australischer Anwalt für Menschenrechte und ehemaliger ökumenischer Begleiter, berichtete in seinem Augenzeugenbericht darüber, wie Familien unter menschenunwürdigen Bedingungen und zeitlichem Zwang aus ihren Häusern vertrieben würden und über weitere Gewalttaten und Verstöße gegen die Menschenrechte und Menschenwürde. 

Er zeigte Fotos aus Silwan, wo die Menschen in einem öffentlichen Kunstprojekt Augen auf Häuserfassaden malten. Gottes Augen würden sich nicht vor dem Leid der palästinensischen Gemeinden verschließen, so Wardlaw. 

„All diese Menschen, die in den Häusern mit den Augen auf der Fassade leben, stehen vor der Zwangsräumung“, erklärte er. 

Iskandar Majlaton, Programmreferent des Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel des ÖRK, forderte alle zur Unterstützung der Kampagne, die bis zum 31. März läuft, und die Kirchen und Partnerorganisationen der ganzen Welt zur Verwendung der bereits bestehenden Unterlagen auf. „Wir haben bereits alles online gestellt und veröffentlicht, es steht Ihnen also zur Verfügung“, sagte er. 

Kampagne „Von der Verurteilung zur Konsequenz“ fordert Engagement für das Ende der Besetzung Palästinas

Website der Kampagne und Unterlagen

ÖRK-EAPPI

From Condemnation to Consequences

4-31 March 2026